Du arbeitest im Lehrberuf als Einsteiger:in oder bist bereits länger verbeamtet, und dein Umfeld schwärmt von deinem „sicheren Job“ mit „der besten Altersvorsorge”- ein „absoluter Traum in der heutigen Welt“. Doch deine Realität sieht ganz anders aus: Was nützt dir eine abgesicherte Pension, wenn du tagtäglich – vielleicht mehr als 40 Jahre lang – unglücklich bist?
Desillusioniert vom System, fühlst du dich schon seit der Ausbildung verheizt und von den Behörden herumgeschubst. Da bist du nicht alleine: Immer mehr Lehrkräfte kehren trotz Sicherheiten dem Klassenzimmer den Rücken, enttäuscht von einem System, das nicht hält, was es verspricht.
In diesem Beitrag schauen wir genauer hin: Warum platzt für immer mehr Lehrkräfte der Traum vom Lehramt? Warum ist es absolut okay, den Beruf zu verlassen? Und wie kann ein Neuanfang der erste Schritt zu einem glücklicheren Kapitel sein?
Die Realität des Lehrberufs
Die meisten treten den Lehrberuf mit Idealismus an. Sie wollen Kinder und Jugendliche inspirieren und die Welt ein Stückchen besser machen: Wissen weitergeben und Begeisterung entfachen. Einige scheitern schon an dem wenig praxisnahen, aber dennoch sehr herausfordernden Studium und geben noch vor dem Start des Referendariats ihren idealisierten Traum auf. Andere verzweifeln an der Komplexität des Referendariats, den starren Strukturen und den horrenden Anforderungen. Wer es trotz aller Widrigkeiten schafft und als Bonus eine Verbeamtung auf Lebenszeit bekommt, denkt, jetzt kann die richtige Arbeit endlich losgehen, ist rasch enttäuscht. Denn der Arbeitsalltag sieht ganz anders aus:
- Überlastung und steigende Anforderungen
Lehrer:innen sehen sich mit immer komplexeren Aufgaben konfrontiert – von Inklusion und Integration über Digitalisierung hin zu Verwaltungstätigkeiten. All das geschieht oft ohne die entsprechende spezialisierte Ausbildung, ausreichende Ressourcen oder Unterstützung vom System.
- Emotionaler und körperlicher Druck
Die ständige Verantwortung für das Wohl und den Lernerfolg der Schüler:innen kann erdrückend sein. Viele Lehrkräfte möchten immer das Beste für ihre Schützlinge erreichen und geben alles – im Umkehrschluss kämpfen sie dann selbst mit Burn-out, Erschöpfung oder sogar Depressionen.
- Mangelnde Wertschätzung
Trotz der tragenden Rolle in der Gesellschaft bekommt die vielschichtige Arbeit im Klassenzimmer wenig Wertschätzung: Kritik und Spott am Schulsystem sowie angestauter Elternfrust werden direkt an den Lehrkräften ausgelassen.
- Starre Strukturen
Das Bildungssystem lässt wenig Raum für individuelle Gestaltung oder Innovation. Wer kreativ und flexibel arbeiten möchte, stößt schnell an Grenzen, die oft unüberwindbar sind. Auch die viel angepriesene Vereinbarung von Lehrberuf und Familie ist nur Schein und eher eine zusätzliche Herausforderung, das Familienleben mit einer Terminflut am Nachmittag und dem Arbeitsaufwand am Wochenende zu vereinbaren.
- Veränderung der Schülerschaft
Lehrer:innen müssen heute mit einer zunehmend heterogenen Schülerschaft umgehen können. Die unterschiedlichen sprachlichen, kulturellen und sozialen Hintergründe, welche die Kinder und Jugendlichen mitbringen, können den die Durchführung des Unterrichts belasten und zu einem enormen zusätzlichen Arbeitsaufwand für die Lehrkräfte mutieren.
Warum es okay ist, den Lehrerberuf aufzugeben
Den Lehrberuf zu verlassen, fühlt sich für viele an wie ein persönliches Scheitern. Schließlich ist der Job „sicher“ und „angesehen“. Im engeren Umfeld stößt die Entscheidung, dem Klassenzimmer den Rücken zu kehren, oft auf völliges Unverständnis. Aber wir finden, es ist völlig in Ordnung „NEIN“ zur Schule zu sagen und sich neu zu orientieren. Hier unsere Top 3 der besten Gründe für eine berufliche Neuorientierung:
- „Nein“ zu sagen ist keine Schwäche, sondern eine Stärke
Den Mut zu haben, eine unglückliche Situation zu verlassen, erfordert mehr Kraft als das Verharren in einem Job, der einen unglücklich und mit der Zeit womöglich krank macht.
- Ein System zu verlassen, das nicht passt, ist erlaubt
Nicht jede/r passt zu den starren Strukturen des Lehrberufs – und das ist vollkommen in Ordnung. Lebenswege sind individuell, und was früher gepasst hat, muss nicht ein Leben lang stimmen.
- Gesundheit und Zufriedenheit gehen vor
Niemand sollte seine mentale oder körperliche Gesundheit opfern, um einem Ideal nachzueifern oder gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen!
Sei mutig und stark: Aus dem Lehrberuf auszusteigen ist nicht das Ende deines Traums – es ist der Anfang eines neuen Kapitels!
Neue Möglichkeiten: Wege aus dem Klassenzimmer
Du möchtest aus dem Lehrberuf aussteigen, aber du bist unsicher, ob du überhaupt in einem anderen Bereich arbeiten kannst? Keine Sorge, es gibt unendliche berufliche Alternativen für dich und einige Unternehmen werden deine Fähigkeiten und Erfahrungen aus dem Klassenzimmer sehr zu schätzen wissen. Aber zunächst musst du selbst erst einmal für dich herausfinden, wo deine Stärken und Vorlieben liegen und welche davon du auch beruflich weiter verfolgen möchtest.
Hier sind einige Beispiele für deine berufliche Neuorientierung:
- Alternativen innerhalb der Bildungsbranche:
- Erwachsenenbildung: Schulen sind nicht die einzige Plattform für Wissenstransfer. In der Erwachsenenbildung kannst du deine Leidenschaft fürs Unterrichten weiter verfolgen.
- Bildungs- und Kulturmanagement: Viele Organisationen suchen Expert:innen mit praktischer Lehrfahrung. Arbeitsfelder können sein: Bildungsreferent:in in Museen, Mitarbeit bei der Umsetzung von Projekten von Stiftungen usw.
- Politik und Verwaltung: Hier kannst du strukturelle Veränderungen mitgestalten und was am System bewirken.
- Selbstständigkeit: Als Nachhilfelehrer:in, Tutor:in oder Bildungscoach kannst du unabhängig vom System weiter im Bildungsbereich arbeiten.
- Alternativen in anderen Branchen:
- Personalentwicklung und HR (Human Resources): Du arbeitest als Trainer:in für Soft Skills (Konflikt- und Kommunikationsmanagement …), unterstützt Unternehmen bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden.
- Marketing und Öffentlichkeitsarbeit: Ob Content Creator, Eventmanager:in oder Marketing-Spezialist:in – viele Türen stehen dir in diesem Bereich offen.
- Gesundheitsbranche: Bau dir eine Tätigkeit im Bereich Coaching für Stressbewältigung, Lebensberatung oder Therapie (nach entsprechender Weiterbildung), werde Yogalehrer:in – die Möglichkeiten sind grenzenlos.
- Medienbranche: Ob als Journalist:in, Autor:in oder Lektor:in – auch hier gibt es unterschiedliche Bereiche, in denen du mit deinen persönlichen Stärken und beruflichen Erfahrungen punkten kannst.
Tipp: Du interessierst dich für eine ganz neue Branche, aber du bist dir noch unsicher? Überstürze nichts! Am besten sammelst du innerhalb eines Praktikums erste Erfahrungen in dem Bereich, der dich interessiert. Teste deine Fähigkeiten und Möglichkeiten erst, bevor du eine Entscheidung triffst.
Du interessierst dich für ein Praktikum im Verlagswesen? Wir vom ForwardVerlag freuen uns auf deine Bewerbung: info@forwardverlag.de
Viele ehemalige Lehrkräfte haben den Schritt vor dir gewagt und sind neue Wege gegangen. Sie arbeiten zum Beispiel auch als Autor:innen, Unternehmensberater:innen oder in kreativen Berufen – und sind glücklicher als je zuvor.
Sei mutig! Gehe deinen eigenen Weg
Das Verlassen des Lehrberufs und das Aufgeben einer Verbeamtung sind nicht das Ende der Welt. Den Beruf zu verlassen bedeutet nicht, gescheitert zu sein, sondern den Mut zu haben, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Manchmal muss ein Traum platzen, damit Platz für einen neuen entsteht. Wer den Mut hat, aus dem System auszubrechen, wird überrascht sein, welche Möglichkeiten sich eröffnen. Dein Weg gehört dir – und das ist das Wichtigste.